Das vorliegende Unterrichtsmodell „Franz Kafka – Der Künstler“ folgt vier Prinzipien, die eine teils bewusste Abkehr von etablierten Herangehensweisen im Umgang mit Franz Kafka im Deutschunterricht kennzeichnen und zugleich neue Perspektiven auf Kafkas Werk eröffnen:
- Kafkas Schaffen soll nicht – wie im Unterricht bislang vorherrschend – nahezu ausschließlich anhand seiner erzählenden Prosa erschlossen werden. Stattdessen werden auch seine lyrischen Texte sowie sein zeichnerisches Werk in die Betrachtung einbezogen, um einen umfassenderen Zugang zu seiner künstlerischen Ausdrucksweise zu ermöglichen.
- Das Unterrichtsmodell macht Schülerinnen und Schüler ein Angebot, Franz Kafka als Künstler kennenzulernen. Dabei wird ausdrücklich vermieden, seine Biografie den Texten überzustülpen. Ein solcher biografischer Zugriff verzerrt den Blick auf Kafkas Kunst und reduziert sie auf stereotype Lesarten.
- An die Stelle der verbreiteten Unterrichtspraxis, die Mehrdeutigkeit seiner Texte vor allem durch religiöse, philosophische, soziologische oder psychoanalytische Interpretationsansätze zu verdeutlichen, tritt eine rezeptionsästhetische Orientierung. Diese rückt die individuellen Deutungen der Schülerinnen und Schüler ins Zentrum und gewährt ihnen Vorrang vor vorgegebenen Deutungsmustern.
- Das Modell integriert zeitgemäße didaktische Ansätze: Formen kollaborativen Lernens, die Einbindung von KI-gestützten Lernprozessen sowie moderne Prüfungsformate, die auf die in der zukünftigen Arbeits- und Lebenswelt erforderlichen 21st century skills vorbereiten. Diese Elemente ergänzen bewährte Vermittlungsformen und fördern einen zukunftsorientierten Literaturunterricht.

